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Nach
dem Bügeln und dem Abwasch ist der Lebensmitteleinkauf vermutlich die
undankbarste und langweiligste Aufgabe, die ein Mensch überhaupt haben
kann: Es kostet Zeit und Nerven, sich durch den Verkehr zum Supermarkt
durchzuschlagen, einen Parkplatz zu suchen, alle Waren zusammenzusuchen --
und sich am Ende noch von der unfreundlichen Verkäuferin dafür anraunzen
zu lassen, dass man etwas von ihr kaufen will.
Das
alles könnte bald der Vergangenheit angehören: Eine Reihe neuer
Unternehmen in den Vereinigten Staaten versuchen jetzt, Lebensmittel und
anderes mehr online zu verkaufen – und dann per Lieferwagen an der Haustür
abzuliefern.
Das
könnte die Einkaufsgewohnheiten und -Erwartungen der Internetnutzer
umkrempeln – und die Unternehmer, die diesen Markt angreifen, reich
machen. In den Vereinigten Staaten soll nach Expertenschätzung in einigen
Jahren der jährliche Umsatz allein an Lebensmitteln, die online verkauft
werden, 10 Milliarden Dollar überschreiten.
Die
beiden größten Online-Supermärkte sind Webvan.com
und Peapod.com. Beide erlauben dem
Kunden, auf ihrer jeweiligen Website per Kreditkarte alles von der Milchtüte
bis zum Brotlaib zu kaufen, und zwar zu normalen Supermarktpreisen. Hat
man alle Waren in seinem elektronischen Warenkorb, wählt man noch einen
Liefertermin aus, und ein Laster des jeweiligen Unternehmens bringt die
Waren direkt an die Haustür.
Der
Webvan-Fahrer beispielsweise liefert innerhalb eines gewünschten
Halbstundenabschnitts (zum Beispiel zwischen 16.00 und 16.30 Uhr), an
sieben Tagen in der Woche, von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Kommt der
Fahrer nicht pünktlich, gibt’s eine 3-Dollar-Gutschrift. Doch nur 2%
der Lieferungen kommen noch zu spät, sagt das Unternehmen. Im Juni
vergangenen Jahres lag der Wert noch bei 12%. Moderne
Routenplanungs-Software, eine einwöchige Schulung für jeden Fahrer und
ein mittlerweile eingespieltes Team haben’s möglich gemacht.
Die
Geschäftsidee klingt gut – aber kann man damit auch Geld verdienen?
Warum soll die Wiederkehr des Milchmanns funktionieren, wenn der in der
Offline-Welt schon lange ausgestorben ist? Der Milchmann hatte den
Kostenvorteil, dass er buchstäblich an jedem Haus hielt, was die
Grundkosten für die Lieferung auf so viele Kunden umlegte, dass sie nicht
mehr ins Gewicht fielen.
Das
ist auch der Grund, warum Speditionsdienste wie Federal
Express und UPS sich bisher so weit
wie möglich zurückgehalten haben, wenn es um die Lieferung an
Privathaushalte ging: Sie halten eben nicht an jedem Haus. Die Gewinnmarge
pro Paket ist klein. Zwischen einzelnen privaten Empfängern können
mehrere Kilometer, viel Fahrerei und Zeit liegen – und das geht ins
Geld. Muss der Bote obendrein mehrfach anfahren, weil der Addressat nicht
zu Hause ist, gibt’s gar keinen Profit mehr. Botendienste erwirtschaften
erst dann Gewinne, wenn mehrere Pakete an die gleiche Adresse gehen –
wie dies bei Unternehmenskunden der Fall ist.
Beobachter
schätzen, dass eine Lieferung die neuen Milchmann.coms bis zu 20 Dollar
kosten kann (bei einem Stundenlohn für den Fahrer von rund 14 Dollar) –
und weniger, je mehr Lieferungen der Fahrer pro Tour vornehmen kann. Damit
das noch proftabel funktioniert, müssen folgende Bedingungen erfüllt
sein:
- ein
Fahrer muss 12 – 25 Kunden pro Tag beliefern;
- der
durchschnittliche Bestellwert muss rund 100 Dollar betragen. Der
durchschnittliche Wocheinkauf der statistisch normalen eineinhalbköpfigen
deutschen Familie dürfte etwa die Hälfte kosten. Webvan hat bisher
erst einen einen Durchschnittswert von 75 Dollar erreicht, allerdings
steigt dieser Wert.
- die
Brutto-Gewinnmargen müssen 25 – 30% über dem Einkaufswert der
Waren liegen.
Wie
soll dies in einer Branche funktionieren, die für ihre kleinen
Gewinnspannen berüchtigt ist? Die Neugründungen behaupten, dass sie nach
der Startup-Phase gewinnbringend arbeiten können. Die nötigen hohen
Margen wollen sie dadurch erreichen, dass sie keine Supermärkte betreiben
müssen. Hocheffiziente Hightech-Lager in unmittelbarer Nähe zu den
Kundenbezirken sollen die Kosten weiter senken.
Schon
vor einiger Zeit habe ich davon berichtet, dass
Kalifornien - genauer gesagt, der Landkreis Santa Clara - nach Alaska den
höchsten Bevölkerungsanteil an Singles in den Vereinigten Staaten hat.
Was ich vergessen habe, hinzuzufügen, hat jetzt Women.com ergänzt: Viele
der Singles sind Männer, reich und Junggesellen. Das Online-Frauenmagazin
hat eine Liste der zehn
heiratsfähigsten Junggesellen vorgestellt. Danke, Women.com!
San
Francisco, 26. Februar 2000
Ihr
Karsten Weide
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