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Autoverkauf auf dem Web: Wer will ein
bisschen von 350 Milliarden Dollar?
350
Milliarden Dollar, das entspricht in etwa der jährlichen
Wirtschaftsleistung der Niederlande. Soviel Umsatz haben die Autohändler
in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr allein mit Neuwagen-Verkäufen
gemacht.
Und
so groß ist auch die Torte, von der sich amerikanische Auto-Websites ein
Stück abschneiden werden. Denn immer mehr Verbraucher in den USA, die
sich ein Auto zulegen wollen, nutzen dazu neue Websites, die sich auf den
Autoverkauf spezialisiert haben. Sie bieten den Kunden eine fantastische
Marktübersicht und helfen ihnen so, sich für ein bestimmtes Modell zu
entscheiden, den Händler mit dem besten Preis zu finden und es dann dort
zu kaufen. Immer mehr kaufen ihr neues Gefährt sogar ganz online.
1998
nutzten 2 Millionen Autokäufer in den USA das Web, um eine
Kaufentscheidung zu treffen, das entspricht 13 Prozent aller Neuwagenkäufe
(Quelle: Forrester Research).
Diese Zahl soll bis zum Jahr 2003 auf 8 Millionen oder über 50 Prozent
aller Autokäufe wachsen. Und während heute noch die Zahl der Wagen, die
Kunden direkt auf dem Web kaufen, winzig ist, könnten in vier Jahren
bereits 500.000 Autoverkäufe auf dem Internet stattfinden, so die
Marktforscher. Das entspräche bereits rund 2,5% aller verkauften
Neuwagen.
Diese
Entwicklung hat bei den Autohersteller und ihren Vertragshändlern
Alarmstufe Rot ausgelöst. Sie wurden kalt erwischt. Selbst dran schuld:
In einer Art Vogel-Strauß-Taktik hatten sie das Web links liegen lassen
und dessen Möglichkeiten, den Autoverkauf zu revolutionieren.
Unabhängige
Unternehmen haben diese Lücke mit neuen Websites prompt gefüllt. Jetzt müssen
Hersteller und Händler eine Aufholjagd auf dem Web beginnen. Sie tun sich
schwer damit: Die herkömmlichen Vertriebswege, im Laufe eines
Jahrhunderts entstanden, schienen unangreifbar, ewig, unveränderlich –
und nun könnte das Internet sie in wenigen Jahrzehnten auf den Müllhaufen
der Geschichte befördern.
Automakler-Websites:
Mehr Übersicht über Modelle und Preise
Die
Websites, die diese Konsumenten nutzen, sind Automakler-Websites: Sie
helfen dem Kunden, sich für ein bestimmtes Modell zu entscheiden, und
anschließend für einen Händler, bei dem sie dann den Kauf des Wagens
perfekt machen können. Die Sites vermitteln also zwischen
Kaufinteressenten und Händlern (deshalb der Name Makler-Sites). Sie geben
dem Nutzer eine Marktübersicht, wie sie ohne das Web nicht denkbar
gewesen wäre, und sind obendrein im Gegensatz zu Herstellern und Händlern
unabhängig und damit glaubwürdig. Falls Sie einen Blick auf typische
Makler-Sites werfen wollen: MSN
Carpoint ist die Site mit den meisten Besuchern. CarSmart.com
ist laut Deja.com die Site mit den
zufriedensten Nutzern. Eine Liste der wichtigsten US-Auto-Websites finden
Sie hier.
Das
Geschäftsmodell der Automakler-Sites: Händler, die auf der
entsprechenden Site mit ihrem Angebot vertreten sein wollen, müssen
dieser entweder eine Monatspauschale bezahlen oder eine Vermittlungsgebühr
von 20 – 30 Dollar pro Kunde. Bringen’s Makler-Sites für die Händler?
Im Großen und Ganzen ja: Autobytels
Autohandels-Partner etwa verdanken 11% ihres Geschäfts der Vermittlung
der Website. Jim Schroer, Fords
Vice-President of Global Marketing, sagt: “Sie können jeden Händler
fragen, der sich wirklich auf den Vertrieb per Internet eingelassen hat,
wie viele Fahrzeuge sie pro Internet-Verkäufer verkaufen. Das ist eine
ganze Größenordnung mehr als das typische 10-Autos-pro-Verkäufer-Verhältnis.''
Fast ein Viertel aller Händler, die bei Web-Maklern vertreten sind,
sagen, dass 30 Prozent aller vermittelten Kaufinteressenten auch den Kauf
abschließen (Quelle: J. D. Power and
Associates). Aber: Immerhin ein Drittel sagte in der Umfrage, dass nur
5 Prozent aller Vermittlungen auch zum Erfolg führen. Im Durchschnitt
liegt die Erfolgsrate bei zirka 25%.
Dieses
Geschäftsmodell erlaubt vorläufig nur bescheidene Einnahmen: Keine der
Makler-Sites wirft bisher einen Gewinn ab. Autobytel
nimmt zum Beispiel von rund 1000 Händlern jeweils etwa 1000 Dollar im
Monat ein, also zirka eine Million Dollar. Eine Million Dollar Umsatz im
Monat klingt zunächst gut. Doch wenn man weiß, dass die Site in jedem
Monat 50.000 Autoverkäufe vermittelt mit einem Volumen von zirka 800
Millionen Dollar, dann weiß man auch, dass Autobytel mit einer
Umsatzmarge von 0,8 Prozent auf den Bruttoumsatz nur mäßige
Voraussetzungen für fette Profite hat.
Verschlimmert
wird dies für die Makler-Sites dadurch, dass mittlerweile viele
Auto-Websites ähnliche Informationen und Dienstleistungen anbieten. Das
zehrt sowohl am Nutzerstamm als auch am Umsatz. Viele Unternehmen fügen
deshalb Dienste zu ihrem Angebot hinzu, etwa Finanzierungs- und
Versicherungsinfos, Kleinanzeigen und dreidimensionale Außenansichten von
Autos. Dies zieht mehr Nutzer an und erzeugt Zusatzeinnahmen für das
Vermakeln von Autoversicherungen und –Finanzierungen sowie durch den
Verkauf von Online-Anzeigen.
Direktverkaufs-Websites: Der Gottseibeiuns von Herstellern und Händlern.
Um
höhere Einnahmen zu erzielen, haben manche Sites begonnen, Autos tatsächlich
auf dem Web zu verkaufen: Jüngste und interessanteste Direktverkaufs-Site
ist Greenlight.com. Nicht nur,
dass einer ihrer Initiatoren Kleiner,
Perkins, Caufield & Byers ist, einer der bekanntesten
Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Darüber hinaus gab das größte
Online-Kaufhaus der Welt, Amazon.com,
bekannt, dass es einen 5%-Anteil an Greenlight.com übernommen hat – mit
der Option, die Beteiligung auf 30% aufzustocken. Können Sie sich
vorstellen, was geschieht, wenn Amazon beginnt, Autos online zu verkaufen?
Amazon wäre der Vesuv, der traditionelle Autohandel Pompei.
Freilich
müssen die Autos, welche die Direktverkaufs-Sites absetzen, irgendwo
herkommen. Von den Hersteller kommen sie nicht (warum nicht, dazu später
mehr). Also gehen die Unternehmen Partnerschaften mit bestehenden herkömmlichen
Händlern ein. Die jeweilige Site berät Kunden auf der Site oder am
Telefon, anstatt sie wie ein Makler zum Autohändler zu schicken. Der
Handel wird zwar auf dem Web abgeschlossen, doch muss der Kunde das
Fahrzeug immer noch bei einem Händler abholen – die Autohandlung wird
zum Autolager.
Der
Direktverkauf könnte der nächste Schritt auch für die Makler-Sites
sein. Zwei der Makler-Sites, Autobytel.com
und Autoweb, haben bereits
entsprechende Versuche begonnen. Marktführer MSN
Carpoint will noch in diesem Jahr den Direktverkauf einführen, so
Lindsay Sparks, der Chef des Microsoft-Unternehmens. Die Händler, die am
Ende den Wagen ausliefern, müssen pro Verkauf eine Provision von zwischen
100 und 300 Dollar an die Web-Sites zahlen.
Der
nächste Schritt für Direktverkaufs-Sites: Selbst Autohandlungen zu eröffnen.
Genau das will der 23-jährigen Brian Stafford versuchen, der Gründer von
CarOrder.com. Stafford will billig
100 bis 200 Autohändler aufkaufen, die a) am Rande der Pleite krebsen und
b) in den Außenbezirken der fünf größten US-Metropolen sitzen. Diese
will er zu leistungsfähigen Vertrieben umkrempeln, welche die Wagen
ausliefern, die Kunden auf CarOrder.com gekauft haben.
Noch
innovativer wird’s mit den Sites Priceline.com
und Carprices.com. Letztere Site
will die umgekehrte Auktion für den Online-Autoverkauf einführen: Hier müssen
sich die Händler gegenseitig unterbieten, um das Geschäft mit einem
Kaufinteressenten abzuschließen. Auf Priceline.com –bekannt durch den
Verkauf von Billig-Flugscheinen- gibt der Kunde den Preis an, den er zu
zahlen bereit ist. Die Site prüft dann, ob einer der angeschlossenen Händler
bereit ist, diesen Preis anzubieten.
Die traditionellen Autohändler:
das Web als Segen und Fluch
Der
Umbruch in der Autobranche, den das Web verursacht, kommt zu einer Zeit,
in der viele kleine Autohändler in den USA ohnehin mit dem Rücken zur
Wand stehen. Der Wettbewerb durch Auto-Supermärkte hat in den vergangenen
20 Jahren mehr als 7000 Händler in die Pleite getrieben. Diesen
Konkurrenzdruck wird das Web noch verstärken, weil Nutzer nun Produkte,
Dienstleistungen und vor allem Preise besser vergleichen können.
Für
die Autohändler ist das Web Segen und Fluch zugleich. Fluch deshalb, weil
sie fürchten, dass sie Autoverkäufe und damit Umsätze an die
Direktverkaufs-Websites verlieren oder gar an die Autohersteller selbst.
Letzteren trauen sie zu, schleichend selbst den Online-Direktverkauf von
Fahrzeugen an den Verbraucher einzuführen, entweder ab Werk oder über
die neuen Websites – jedenfalls nicht mehr ausschließlich über die Händler.
Die
Händler verfolgen daher eine Doppelstrategie: Auf der einen Seite kämpfen
sie wie eine Löwin um ihr Junges gegen jeden kleinsten Schritt der
Hersteller in Richtung auf einen Online-Verkauf von Autos. Im vergangenen
Jahr beispielsweise versuchte General Motors
in Houston, Texas, eine Website namens DriverSite zum Verkauf von
Gebrauchtwagen zu starten. Ein Aufschrei der Empörung ging durch die GM-Händlerschaft
im Lone Star State. Schließlich gelang es ihnen mit rechtlichen
Mitteln, die Veröffentlichung der Site zu verhindern.
Auf
der anderen Seite versuchen die Händler, das Web zu nutzen, um ihr Überleben
in der neuen Welt des E-Commerce zu sichern. 40% aller Autohändler in den
Vereinigten Staaten haben inzwischen Abkommen mit Makler-Websites
geschlossen, unter denen diese Kaufinteressenten an die Händler
vermitteln (Quelle: National Automobile
Dealers
Association
(NADA)). Doch ist dies ein Schwert mit zwei Schneiden: Zwar bringen ihnen
die Makler-Sites bessere Vertriebschancen, doch bedeuten die besseren
Vergleichsmöglichkeiten auch, dass sich der Wettbewerb mit anderen Händlern
verschärft. Zusätzlich bekommen sie Kunden von den Websites der
jeweiligen Hersteller. Zwar führen nur 17% dieser Vermittlungen zu einem
Kaufabschluss (im Vergleich zu rund 25% bei Makler-Sites), doch sind die
Vermittlungen im Gegensatz zu denen der Makler-Sites kostenlos.
Andere
Händler starten eigene Websites, doch können sie möglichen Käufern nur
einen Bruchteil des Angebots bieten, das Makler-Websites unterhalten.
Manche schließen sich daher zu örtlichen Händlerverbünden zusammen wie
Lithia Motors, der 32 Händler in
Medford, Oregon, vereint, oder wie Ford4Less.net,
der alle Ford-Händler in San Francisco zusammenschließen will. So
funktionieren die Verbünde: Angenommen, ein Kunde sucht bei Händler A
das Modell X. A hat diesen Wagen nicht am Lager, wohl aber Händler B, der
dem Verbund auch angehört. A schickt den Kunden dann zu B – und
umgekehrt. Um bis zu 250 Kilometer weiten die Mitglieder von Lithia Motors
damit ihren Vertriebskreis aus. Weiterer Vorteil: Die Teilnehmer sparen
Geld, weil sie ihre Vertriebsapparate zusammenlegen können und ihre
Werbeausgaben mindern können.
Autohersteller:
Salamitaktik
Die
Automobil-Hersteller sind in einem Zugzwang gefangen. Sie wissen, dass sie
über das Internet mehr Wagen verkaufen könnten. Sie könnten diese
entweder selbst direkt an Verbraucher verkaufen oder über die neuen
Auto-Websites, indem sie diese wie ganz normale Autohändler mit Autos
beliefern. Ihr Dilemma: Noch werden fast alle Fahrzeuge über das
klassische Händlernetz vertrieben. Sie dürfen also nicht den Unmut ihrer
Händler hervorrufen, weil sie damit an dem Ast sägen würden, auf dem
sie sitzen. Zudem stehen die Hersteller unter Zeitdruck: Was geschieht,
wenn sich andere Hersteller des neuen Vertriebswegs via Web forscher
annehmen als man selbst es tut?
Die
Hersteller verlegen sich deshalb auf eine Salamitaktik. Schrittchen für
Schrittchen verlegen sie immer mehr Teile des Vertriebs auf das Web.
Gleichzeitig versichern sie, dass sie selbstverständlich niemals
an den traditionellen Händlern vorbei verkaufen würden. Das sind,
klar, scheinheilige Versicherungen… keiner kann es sich leisten, den
Web-Zug zu verpassen. Hier geht’s um Geld, viel Geld, und die
Freundschaft hört beim Geld bekanntlich auf.
Schrittchen
Nummer 1:
Alle Hersteller betreiben Websites, die Produktinformationen bereithalten,
Kaufinteressenten aber an dessen nächstgelegenen örtlichen Händler
weiterleiten. Hier nur die drei größten der USA: General
Motors, zu deren Portfolio Marken gehören wie Opel, Saab, Chevrolet,
Cadillac und Oldsmobile, hat BuyPower.
Fords Site ist eine der größten
US-Auto-Sites. DaimlerChrysler
sagt, dass die Site des Unternehmens im vergangenen Jahr den Verkauf von
30.000 Fahrzeuge erzeugt hat – und das ohne das kleinste Fitzelchen
Werbung. Vermittlungen, die über die Website kamen, führten obendrein in
25% aller Fälle zu einem Abschluss, während nur 15 – 20% von Kunden,
die in einen Laden kommen, am Ende auch einen Wagen kaufen.
Schrittchen
Nummer 2:
Die Hersteller schließen für Millionen von Dollar Vertriebsabkommen mit
großen Portalen, um mehr Kunden zu ihren Websites zu bringen – ein
sicheres Zeichen dafür, dass sie beginnen, das Internet ernst zu nehmen. General
Motors hat sich gerade mit AOL
zusammengetan. Und Ford hat ein
Abkommen mit Yahoo! geschlossen, unter dem die Firma Inhalte von ihrer
Site Buyer Connection auf Yahoo! Autos
anbieten wird. Schon vorher hatte Ford eine Minderheitsbeteiligung an
Microsofts MSN-Auto-Website Carpoint
erworben, um dort ihre Produkte zu bewerben.
Schrittchen
Nummer 3:
Die Hersteller fordern ihre Händler auf, Partnerschaften mit Makler-Sites
einzugehen. General Motors’ Tochter Saturn
beispielsweise will ein Programm starten, unter dem sich ihre Händler bei
Autobytel.com, Autoweb.com
oder AutoVantage.com
registrieren müssen. Der Clou: Diese Sites schicken Kunden zunächst zu
General Motors’ Site und nicht direkt zu den Händler. Saturn schlägt
damit vier Fliegen mit einer Klappe: Das Unternehmen gewinnt mehr Kontakte
für die Vermarktung, es erhält mehr Einblick in die Bedürfnisse der
Kunden, kann mehr Kaufabschlüsse erzeugen – und eines schönen Tages
diese Kontakte nutzen, um Fahrzeuge an den Händlern vorbei direkt zu
verkaufen.
Schrittchen
Nummer 4: Direktverkauf ab Werk? Die
Frage ist nicht ob, sondern wann. Die erste, die einen Zeh ins Wasser
steckt, ist die britische GM-Tochter Vauxhall:
Sie ermöglicht es Kunden, Autos direkt online zu kaufen. Zwar muss der
Kunde den Wagen bei einem Vertragshändler abholen, und Vauxhall wird auch
nur Automobile verkaufen, die nicht direkt mit den Modellen in
Ausstellungsräumen konkurrieren – doch sind diese Fahrzeuge billiger
als vergleichbare Modelle bei Händlern, weil die Vertriebskosten und die
Händlerprovisionen geringer sind.
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