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Nie
wieder Stiftung Warentest -
Verbraucher beraten Verbraucher!
“Pacific
Bells Internet-Zugang gehört zu dem Schlechtesten, was ich je erlebt
habe”, stöhnt ein Art James aus Mittelkalifornien auf Deja.com.
“Letzten Monat war mein Zugang drei Tage lang down, und der
Support hat mich vierzig Minuten lang in der Warteschleife verschimmeln
lassen!”
Was
wäre wohl, wenn Verbraucher vor dem Kauf eines Autos, einer digitalen
Kamera oder eines beliebigen Produkts andere Verbraucher wie Art fragen könnten,
die schon Erfahrungen damit gesammelt haben? Sie wüssten im Gegensatz zu
professionellen, aber weltfremden Produkttestern, worauf es wirklich ankommt.
Web-Nutzer sehen das auch so: 65 Prozent aller Nutzer von
Community-Anwendungen wie Chat und Schwarzen Brettern halten die Meinungen
anderer Konsumenten für sehr wichtig oder wichtig, wenn sie
Kaufentscheidungen treffen (Quelle: Forrester
Research).
Eine
neue Gattung von Web-Sites verschafft Konsumenten genau das: Meinungen und
Erfahrungen anderer Verbraucher. Deja.com,
Epinion.com und die PC-Web-Site cnet
sammeln und veröffentlichen Produktbewertungen von Otto
Normalverbrauchern und Lieschen Müllers – für andere Lieschens und
Ottos. Deja.com beispielsweise (ehemals Dejanews) hielt Anfang Dezember über
800.000 Bewertungen für mehr als 35.000 Produkte bereit. Besucher haben
hier die Gelegenheit, Produkte zu beurteilen: Für die wichtigsten
Merkmale eines Artikels vergibt man Noten. Wer noch darüber hinaus Lob
oder Tadel loswerden will, kann dies in einem schriftlichen Zusatz tun.
Aus den Zensuren errechnet eine Software Durchschnittsbewertungen für die
jeweiligen Merkmale des Erzeugnisses sowie Gesamtnoten. Diese Infos hält
die Site dann bereit für Konsumenten, die Rat suchen. Auf einen Blick können
sie sehen, ob ein Produkt etwas taugt oder nicht und wie es um dessen
wichtigste Leistungsmerkmale bestellt ist.
Und
das Beste: Die Verbraucher haben auch die Möglichkeit, sich Ranglisten
der besten Produkte einer bestimmten Kategorie anzusehen. Der
PacBell-traumatisierte Art James hätte dort gesehen, dass der mit Abstand
beste Internetzugangs-Vermittler Big Planet ist, während PacBell nur
einen mageren 23. von 42 Plätzen belegt.
Das
Geschäftsmodell der Sites: simpel. Hier werden Produkte bewertet, was
liegt also näher, als Distributionsabkommen mit Online-Läden zu schließen?
Liebes Amazon.com, sagt Deja.com, Du gibst mir nur 5 Millionen Dollar, und
ich linke von jeder Buchbewertung auf meiner Site auf Dich, so dass die
Nutzer gleich das entsprechende Buch kaufen können.
Mir
schwant: Verbraucher-beraten-Verbraucher-Sites werden so populär wie Fußball
und Festbier zusammengenommen. Denn das Schönste an den
Verbraucher-Web-Sites: Endlich können Konsumenten es ihnen heimzahlen,
dem Bettenladen, der zwar die Matratze liefert, aber nicht das Bettgestell,
der Telefonfirma, die ihre Kunden 40 Minuten in der Warteschleife warten lässt,
der BMW-Niederlassung, die dreimal verspricht, der Wagen werde “ganz
ganz sicher” fertig und ist es dann doch nicht... Industrie, zittere!
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