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Was früher Tengelmann gemacht hat, was heute
Fluggesellschaften mit ihren Miles & More-Programmen machen, das
gibt’s jetzt auch auf dem Web: Rabattmarken-Programme, die Nutzer enger
an Websites binden, sie zum Wiederkommen bewegen und so für mehr Umsatz
sorgen sollen.
Mehrere Unternehmen haben solche Belohnungs-Programme
entwickelt, und sie funktionieren alle weniger oder mehr auf die gleiche
Weise: Eine Firma erfindet eine Online-Währung und gibt ihr als Namen
“beenz”, “Web Miles” oder etwas ähnliches. Sodann wirbt sie
Partner-Websites, die eine höhere Nutzer-Website-Bindung entwickeln
wollen. Diese Websites kaufen eine bestimmte Menge der Web-Währung von
ihrem jeweiligen Anbieter, und geben sie als Belohnung an ihre Nutzer aus.
Diese müssen dafür bestimmte Dinge tun, beispielsweise:
- ein
Produkt kaufen,
- Freunde
und Bekannte als neue Kunden werben,
- sich
in eine Werbe-Mailingliste eintragen,
- persönliche
Daten preisgeben,
- oder
Fragebögen ausfüllen.
Hat ein Anwender genügend der Cyber-Währung
gesammelt, kann er sie auf der Incentive-Website für Prämien einlösen:
für Bücher beispielsweise, CDs, Sportgeräte, Reisen und anderes mehr.
Veteran der Kundentreue-Programme ist das vor gut
zwei Jahren gegründete Netcentives.
Das Unternehmen gibt an, dass sein Hauptprodukt ClickRewards mehr als 2,2
Millionen Mitglieder habe und von 65 Shopping-Sites als Werbemittel
eingesetzt werde. Zu diesen Shops gehören so bekannte Sites wie 1-800-Flowers,
Barnes
& Nobel, CDNow,
E-Trade,
The Gap sowie The
Red Herring. Cool: Statt Schlüsselanhängern gibt’s hier
ClickMiles, die man als Flugmeilen in den Kundentreue-Programmen von neun
Fluggesellschaften verwenden kann. Dazu gehören unter anderen American
Airlines, British Airways, Continental, Delta, Northwest sowie United.
Ein jüngerer Wettbewerber unter den Reward-Program-Websites
ist Beenz.com,
gegründet im März 1998. Auch Beenz hat gut 60 Shops als Partner gewinnen
können, wenn auch bislang nicht ganz so prominente wie Netcentives. Die
beiden bekanntesten sind die Investment-Site The
Motley Fool und die britische Ausgabe von Excite.
Rund 220.000 Mitglieder sollen sich bei Beenz eingetragen haben.
Bequemer und effizienter als bei Netcentives und
Beenz geht es bei MyPoints zu: Hier
muss der Nutzer lediglich einmal angeben, an welchen Produktkategorien er
interessiert ist. MyPoints präsentiert dem Nutzer dann entsprechende
Anbieter auf einer einzelnen Seite. Oder, noch besser, MyPoints sendet dem
Anwender eine E-Mail mit den aktuellen passenden Angeboten.
Eine etwas andere Geschmacksrichtung der Kundenwerbung bietet Cybergold
an. Hier hat man sich gesagt: “Lasst uns nicht mit diesen kindischen
Spielgeld-Währungen rummachen: Wir bieten gleich richtiges Geld an!”
Und das tut Cybergold denn auch: Das Unternehmen sammelt Sonderangebote
von E-Commerce-Sites und offeriert sie dem Nutzer (zum Beispiel E-Trades:
“Wir zahlen Ihnen 75 Dollar, wenn Sie ein Konto mit mindestens 1000
Dollar Guthaben eröffnen”.). Der Clou: Man muss das so erworbene Geld
nicht bei dem Anbieter des jeweiligen Sonderangebots ausgeben, sondern
kann im Cybergold-Laden unter mehr Produkten auswählen. Freilich lässt
das Angebot hier noch ein wenig zu wünschen übrig: Das spannendste sind
noch CDs, MP3-Dateien, Zugang zu Profi-Datenbanken und Spenden für den World
Wildlife Fund. Alle übrigen Angebote bewegen sich eher in der
Kategorie “Cremes gegen Dehnungsstreifen”.
Der Pionier und bisher einzige Anbieter für Treue-Programme auf dem
deutschsprachigen Web ist Webmiles
mit einem sehr soliden Angebot.
Der Haken aller dieser Kundentreue-Programme: Man muss schon eine ganze
Weile lang surfen, um genügend Online-Rabattmarken für eine vernünftige
Prämie zusammen zu bekommen. Deswegen und weil
Wirklich-alles-total-kostenlos!-Websites in erster Linie Nutzer anziehen,
die zwar viel Zeit, aber kaum Geld haben -also Schüler, Studenten und
Rentner-, ist die Demographie der Incentive-Sites nicht gerade das, wovon
Werbetreibende träumen.
Manche Experten glauben deswegen, dass die Incentive-Programme
es schwer haben werden, sich durchzusetzen. Andere wieder sind der
Meinung, das solche Programme das ideale Mittel sind, um
E-Commerce-Skeptiker doch noch zum Online-Einkauf zu bewegen. Und
kostenlose Flugmeilen wie bei Netcentives sollten auch wohlhabendere
Nutzer anziehen.
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