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Aktienkurse per Volksabstimmung vorhersagen?
Wieviel Gewinn könnte man wohl einstreichen, wenn man die
Aktienkurse vorhersagen könnte? Der Traum ist so alt wie die Institution
der Börse: Millionen von Euro sind ausgegeben worden für Analysen der
wirtschaftlichen Leistung eines Unternehmens, technische Chartanalysen,
komplexe mathematische Vorhersagemodelle, Experimente mit künstlicher
Intelligenz – und alles hat dabei versagt, die Zukunft von Aktienkursen zu
bestimmen.
Zwei
Websites starten nun einen neuen Versuch. Die Gründer von PredictIt
und iExchange (vormals Research.com)
dachten sich: Was ist ein
Aktienkurs anderes als das Ergebnis einer ständigen, kollektiven
Volksabstimmung von Anlegern über den Wert einer Firma? Investoren, die
glauben, dass ihnen eine Firma mehr Geld verdienen wird als sie bei ihrem
gegenwärtigen Aktienkurs in sie hineinstecken, kaufen oder halten Aktien
dieses Unternehmens. Jene, die umgekehrt annehmen, dass eine
Aktiengesellschaft ihnen weniger Geld verdienen wird als sie anlegen müssen,
verkaufen oder lassen Ihre Finger von einem Kauf. Nachfrage und Angebot
lassen dann den Kurs steigen oder sinken.
Und
wenn der Kurs das Ergebnis eines pekuniären Plebeszits ist: Dann müsste
man doch den Kurs eines Wertpapiers voraussagen können, wenn man nur genug
potentielle Anleger dazu bringt, Vorhersagen über die Kurszukunft einer AG
abzugeben. Anschließend müsste man nur noch den Durchschnitt aus diesen
Prognosen bilden, um vernünftige Aussagen treffen zu können.
Genau
dies versuchen die beiden Sites. PredictIt, mit Sitz in New York City, hat
bereits über 100.000 Nutzer, und die Aktienkursvorhersagen laufen seit
Anfang Juli. Hier kann man jeweils den Schlusskurs der kommenden Woche schätzen,
und die Site gibt eine Konsensprognose für den zu erwartenden Schlusskurs
an. Ich habe einmal für fünf wichtige Firmen ausgerechnet, was passiert wäre,
wenn man bei Vorhersage eines steigenden Kurse jeweils 1000 Dollar in einer
Gesellschaft angelegt hätte, und bei Vorhersage eines fallenden Kurses
jeweils verkauft hätte (vorausgesetzt, der vorausgesagte Kurs lag über dem
jeweiligen durchschnittlichen Kaufkurs). Hier das Ergebnis für die
vergangenen acht Wochen:
|
Firma
|
Angelegt
insgesamt, US$
|
Schlusswert
insgesamt, US$
|
Gewinn/
Verlust
|
Gewinn/
Verlust in Prozent
|
|
AOL
|
4806,85
|
4972,50
|
165,65
|
3,4%
|
|
AT
& T
|
5584,47
|
5811,39
|
226,92
|
4,1%
|
|
IBM
|
5693,28
|
5852,04
|
158,76
|
2,8%
|
|
Microsoft
|
3720,56
|
4122,84
|
402,28
|
10,8%
|
|
Yahoo!
|
3640,30
|
4025,00
|
384,70
|
10,6%
|
|
Gesamt
|
23.445,46
|
24.783,77
|
1338,31
|
5,7%
|
Die
Methode brachte 5,7 Prozent Gewinn – freilich legte der Nasdaq-Index im
gleichen Zeitraum um 6.7% zu. Pech! Aber immerhin ist für Unterhaltung
gesorgt! Selbstverständlich ist dies nur ein kleiner Was-passiert-dann-Spaß.
Dieser Versuch hat keine Aussagekraft, weil ich ihn nur über eine kurze
Zeit durchgeführt habe und für nur wenige Firmen, die obendrein alle aus
der Hightech-Industrie stammen.
Iexchange,
die zweite Vorhersage-Site, hat ihren Sitz im kalifornischen Pasadena und
wird unterstützt von den Risikokapitalgebern idealab!
und Kleiner Perkins
Caufield & Byers. Sie ist noch in einem frühen Stadium. Das
Unternehmen ist noch nicht der “Marktplatz für Aktienkursvorhersagen”,
der es einmal werden will. Statt dessen haben die iExchange-Manager damit
begonnen, möglichst viele Aktienkursvorhersagen von möglichst vielen
Anlegern zu sammeln.
iExchange
war es sehr ernst damit, diese
Voraussetzung zu schaffen: Zu Beginn setzte das Unternehmen 10 US-Dollar
für jede Vorhersage aus, die ein Nutzer dort abgab, bis zu einem Höchstwert
von 200 Dollar (oder 20 Vorhersagen). Um einen Schneeballeffekt zu erzielen,
zahlt es darüber hinaus 10 Dollar für jeden Nutzer, den man dazu bringt,
auf iExchange Voraussagen zu treffen. Der Große Preis: Bis zu 10.000 Dollar
gibt’s für jenen Nutzer, der die akkuratesten Vorhersagen aufgestellt
hat. Der Rücklauf war so gross, dass iExchange die Zahlung von 10 Dollar
pro Vorhersage einstellen musste. Die beiden anderen Prämien gibt’s aber
nach vor.
Warten
wir ab, was iExchange zu bieten haben wird, wenn sie online gehen. Die Firma
hat einen Trick parat, den PredictIt (noch) nicht hat: Sie will die
Vorhersagen der Nutzer nach der Präzision ihrer Voraussagen in der
Vergangenheit gewichten. Vielleicht führt dies ja zu genaueren Prognosen
als in meinem kleinen Versuch.
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