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Newsfeeds aus dem
Content-Automaten
Wer schon einmal eine Website geführt hat, weiss es: Eine
der wichtigsten Aufgaben des Managements ist es, Inhalte zu erwerben. Die
Site lebt von Anzeigen, Anzeigenplätze kann ich nur auf abgerufenen Seiten
verkaufen, und abgerufene Seiten kann ich nur mit gutem Content erzeugen.
Der
Haken: Content Acquisition ist gleichzeitig eine der zeitraubendsten
und nervtötendsten Aufgaben jedes Web-Managers: Es gilt, festzustellen, wer
den gewünschten Content produziert, die entsprechenden Anbieter
anzusprechen, festzustellen, ob sie ihre Inhalte auf anderen Sites veröffentlichen
wollen, und in langwierigen, frustrierenden Verhandlungen zu einem Abkommen
zu gelangen. Welchen Content bekommt meine Website, und was bekommt der
Anbieter dafür? Nur Distribution und Branding? Oder auch Geld? Und weil nur
Leicht- oder Wahnsinnige Internet-Verträge mit längeren Laufzeiten
abschließen, beginnt der Reigen nach nur zwölf Monaten von Neuem. Und hat
man die gewünschten Inhalte endlich erworben, muss man sie noch technisch
in die eigene Website einbinden, was oft ein ebenso komplizierter Vorgang
ist. Content Acquisition: der Nachtmahr jedes Website-Betreibers.
Zwei
neue Websites wollen helfen: Iysndicate
und Screaming Media
wollen Inhalte-Märkte sein, Websites, die zwischen Anbietern und Abnehmern
von Content vermitteln. Beide Sites sammeln Inhalte von Content Providern,
meistens Nachrichtenfeeds, aber auch Fotos und anderen Content, und
vertreiben ihn an Inhalte-Abnehmer. Diese veröffentlichen die Inhalte auf
ihren Websites oder Intranets, wo sich der Content nahtlos in ihr eigenes
Web-Design einfügen lässt. Alle haben ihren Vorteil davon:
- Die
Inhalte-Abnehmer sparen Zeit, weil aufwendige Verhandlungen
wegfallen und standardisierte Verfahren die technische Entwicklung verkürzen.
Sie gewinnen Anzeigeninventar und erhöhen Ihren Anzeigenumsatz.
- Die
Inhalte-Anbieter sparen ebenso Zeit und technischen Aufwand. Sie
vermehren Ihren Umsatz durch Einnahmen von den Inhalte-Abnehmern.
- Die
Inhalte-Vermittler erhalten einen Teil des Geldes, das die
Abnehmer an die Anbieter zahlen, plus eine Grundgebühr von den
Abnehmern.
iSyndicate
und Screaming Media arbeiten nach dem gleichen Verfahren. Sehen wir uns an
Hand eines Beispiels an, wie das im Einzelnen von statten geht: Die
Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ist einer der Anbieter, die mit
Screaming Media zusammenarbeiten. AP spielt neu produzierte Artikel in einem
bestimmten Format auf ihre Server. Die Bestandteile der Artikel müssen die
AP-Redakteure so kennzeichnen, dass eine Software feststellen kann, was
beispielsweise eine Überschrift ist, was der eigentliche Artikel und was
ein Bild.
Auf
den AP-Maschinen läuft eine Screaming-Media-Software namens
HarvesterSiteWare, welche die neuen Artikel selbsttätig sammelt. Einer der
Abnehmer der AP-News könnte beispielsweise AOL sein. Die
Screaming-Media-Software würde dann die Artikel in das Format bringen, das
AOL haben möchte, und sie schließlich an AOL senden. Dabei kann die
Sendung an Webserver gehen, an Datenbanken, Intranets oder beliebige andere
Systeme.
Die
Abnehmer haben zwei Möglichkeiten: Sie können zum einen komplette Feeds
bestimmter Anbieter abnehmen. Zum anderen haben die Möglichkeit,
Content-Filter einzurichten. Diese Filter fischen nur jene Artikel aus dem
Inhalte-Meer, die in den Inhaltsmix der entsprechenden Site passen. Damit
den Inhalte-Anbietern keine Archiv-Umsätze verloren gehen, dürfen die
Abnehmer die Artikel veröffentlichen, jedoch nur 30 Tage lang archivieren.
Während
Screaming Medias Server die AP-Inhalte an AOL übermittelt, führt eine
Software Buch darüber, wieviele Artikel AOL abgenommen hat, und stellt
diese entsprechend an AOL in Rechnungen. Screaming Media übernimmt das
Inkasso und führt an die Nachrichtenagentur den ihr zustehenden Anteil ab.
Ein
wichtiger Punkt im Geschäftsmodell sowohl von Screaming Media als auch von
iSyndicate: Bevor ein Abnehmer einen bestimmten Feed abonniert, hat der
Anbieter die Gelegenheit, ihm seine Inhalte zu verweigern. So kann
beispielsweise der Little Rock Standard verhindern, dass der Little Rock
Observer Inhalte des Standard benutzt, um mehr Geld zu verdienen.
Im
Screaming-Media-Modell müssen Inhalte-Abnehmer zunächst eine einmalige
Einrichtungsgebühr von 250 US-Dollar bezahlen. Darüber hinaus fallen
zwischen 2,50 und 4,00 Dollar an pro Artikel, den sie publizieren. Der Preis
pro Artikel hängt ab von der Menge der Artikel, die sie abnehmen.
Inhalte-Anbieter erhalten 1,50 Dollar pro Artikel, den eine Abnehmer-Website
veröffentlicht. Screaming Media schließlich erhält die Einrichtungsgebühr
und die Differenz zwischen dem, was der Abnehmer bezahlt und dem, was der
Anbieter erhält, also zwischen 1,00 und 2,50 Dollar pro Artikel.
Vorreiterin
der Idee des Inhalte-Makelns ist die New Yorker Firma Screaming Media. Das
Unternehmen führt Jay Chiat, der ehemalige Chef der Werbeagentur Chiat/Day.
Jeden Monat sammelt Screaming Media rund fünf Millionen Artikel von 125
Anbietern, darunter Associated Press (AP),
die New York Times und The
Red Herring. Zu den Abnehmern des Unternehmens gehören beispielsweise AOL,
Sun Microsystems und die Microsoft
Money Central.
ISyndicate vertreibt über 3000 Content-Produkte an mehr als 120.000 Kunden.
Die Liste der Anbieter ist beeindruckend, zu ihr gehören neben anderen
Associated Press, Reuters, CNET,
Time, CBS
Sportsline und Wired News. Zu
den Abnehmer gehören zum Beispiel Fidelity,
Tektronix, Nortel
und Xircom.
Beide
Sites halten aber auch einen Wermutstropfen für potentielle deutsche
Partner bereit: Deutschsprachige Inhalte sind bislang nicht zu finden. Eine
prima Gelegenheit für jemanden in Europa, sich der Sache annehmen.
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